Der Vertikale Garten bei DussmannNovember in Berlin. Die Tage werden kürzer, das Grün schwindet, das Blau weicht einem Grau und die Temperaturen sinken. Finstere Aussichten. Nichts wie raus aus dem Trüben und rein in den Dschungel.

Ein Hauch von Urwald feeling in Berlins Mitte – der Vertikale Garten im Kulturkaufhaus Dussmann

Ich durchdringe den feuchten Nebel. Warme, wohlige Luft schlägt mir entgegen, von Schwüle keine Spur. Zielstrebig kämpfe ich mich durch das Dickicht der Menschen-massen. Magisch zieht es mich an, das undurchdringliche Grün, hinten an der Wand im Kulturkaufhaus Dussmann. Vor mir gehen mehr als 6600 tropische Pflanzen in üppiger Artenfülle auf einer 270 Quadratmeter großen Fläche buchstäblich die Wand hoch. Über sechs Etagen erstreckt sich das lebendige, ständig wachsende grüne Kunstwerk. Fünf plätschernde Wasserfälle. Ein tropischer Urwald mitten in Berlins Mitte.

Wachende Sphinx vor dem Vertikalen Garten im Kulturkaufhaus Dussmann

Streng bewacht: Der vertikale Garten im Kulturkaufhaus Dussmann

Eine Sphinx wacht über das grüne Wunder. Ich schleiche mich vorbei und gelange ins Untergeschoss, an den Ursprung der Quelle. So heißt das Café Restaurant, das ich betrete. Direkt am Fuße des Gartens lasse ich mich nieder. Vor mir schwimmen tropische Zierfische in einem dekorativen Wasserbassin. Von dem geschäftigen Treiben im Kaufhaus bekomme ich nichts mehr mit. Natürliche Schallabsorption. Ich höre nur das beruhigende Plätschern der Wasserfälle. Die Luft ist angenehm feucht und überall duftet es nach Grünzeug.

Mein Blick wandert nach oben, wo sich ganze Pflanzenkohorten über das lebendige Gemälde ziehen. Ein Ensemble aus vielgestaltigen Kleingehölzen, ein Mix aus unterschiedlichen Farben, Formen und Texturen. Weiße, rosa und orangefarbene Blüten- und Blattwunder bilden einen schönen Kontrast zu den unterschiedlichen Grüntönen. Ich sehe Farne, Gräser und saftig grünes Moos. Vor meinem inneren Auge tanzen bereits die ersten Schmetterlinge. Meine Sinne sind getäuscht.

Geheimnisvolle Geräusche schwirren plötzlich durch die Luft. Exotische Vogelrufe. Ich traue meinen Ohren kaum und öffne die Augen: Das Vogelgezwitscher kommt aus versteckten Lautsprechern. Aber die künstlich erzeugte, beruhigende Geräuschkulisse verfehlt ihre Wirkung nicht. Schnell vergesse ich, dass ich mich in einer Millionen Metropole befinde. Eine ruhige Oase in der Stadt – ein kleines Stück Eden in Berlin.

Patrick Blanc – der grüne Mann der vertikalen Begrünung

Schöpfer dieses grünen Paradieses ist der international renommierte Gartenkünstler Patrick Blanc. Er hat das Unmögliche möglich gemacht, die Schwerkraft überlistet und einen Garten in der Vertikalen angelegt. „Mur Végétal“ oder Pflanzenwand heißt sein natürliches Kunstwerk. Es ist sein größtes Indoor Projekt in Europa. Am 17. Januar 2012 wurde es nach dreimonatiger Schaffenszeit „enthüllt“.

Der Mann mit dem grünen Daumen gilt als Erfinder der vertikalen Begrünung oder living walls, wie es auch genannt wird. Seit den 80er Jahren hinterlässt der 1953 in Paris geborene Biologe an Privathäusern, öffentlichen Gebäuden, Hotels, Brücken, Museen und Shopping-Malls seinen grünen Fingerabdruck. Stets in floralen Motiven gekleidet und mit seinen grün gefärbten Haaren wirkt der Künstler selbst wie sein eigenes Kunstwerk.

Mit seinem Vertikalen Garten hat Patrick Blanc uns ein Stück Regenwald nach Berlin gebracht – ein lebendes Kunstwerk voller Farben, ein idealer Zufluchtsort im trüben November.

 

Kulturkaufhaus Dussmann
Friedrichstraße 90
10117 Berlin

Café Restaurant Ursprung am Vertikalen Garten im Kaufhaus Dussmann
Friedrichstraße 90
10117 Berlin

Fotos: Karin Kölker

 

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