Österreichische Botschaft 2Wer glaubt, dass die Österreicher hinterm Berg leben, der irrt. Im Gegenteil. Mit dem Bau ihrer Auslandsrepräsentanz in Berlin haben sie gezeigt, dass sie die Zeichen der Zeit schon ein Jahrzehnt früher erkannt haben.

Architektur im Einklang mit der Natur

Zweifellos stellt die österreichische Botschaft heute einen bedeutenden Beitrag zur Architekturlandschaft des neuen Berlin dar. Erbaut wurde sie vom Wiener Star Architekten Hans Hollein, der schon während der Bauphase des Hauses 2001 in einem Interview bekannte, „dass die Kennzeichen der heutigen Architektursprache organisch landschaftlich seien und ins nächste Millennium weisen müsse“. Und so entschied sich Hollein gegen den vom Berliner Senat verordneten Stilkanon für das Absolute einer organischen Form, verkörpert in einer vorpatinierten grünen Kupferhaut. Und in ihr sehen viele dann auch die Ambiton für eine dominante und natürliche Umwelt versinnbildlicht. Damit galt Hollein als Visionär seiner Zeit.

Österreichische Botschaft

Österreichische Botschaft in Berlin

Neue Botschaft, neues Image

Entsprechend der Nutzung als Botschaft, Konsulat und Residenz des Botschafters hat Hollein das Gebäude in drei Teile gegliedert, dessen vielfältige Formen im starken Kontrast zu den benachbarten Kuben stehen, allen voran der Baden-Württembergischen Landesvertretung.

Der geschwungene grüne Baukörper verleiht der Botschaft ein weniger amtliches, eher offenes, modernes und gastfreundliches Erscheinungsbild – genauso, wie der österreichische Staat es damals sicher gewünscht hatte. Denn die Botschaft in Berlin zählt zu eine der wichtigsten des Alpenlandes und sollte ein neues und weltoffenes Österreich repräsentieren – weg vom alten Image eines konservativ und scheinbar nationalistisch angehauchten Landes – ein Bild von Österreich, das in den 90igern durch den hohen Zulauf der FPÖ und der Beliebtheit des Rechtspopulisten Haider geprägt war.

„Zeige mir, wie Du baust, und ich sage Dir, wer Du bist“

“Zeige mir, wie Du baust, und ich sage Dir, wer Du bist.“ zitierte dann auch die damalige österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner den deutschen Dichter Christian Morgenstern in der feierlichen Eröffnungsrede im Jahre 2001.

In der Tat. „Grün“ sind die Österreicher schon weitaus länger als wir. Umweltbewußtsein, Nachhaltigkeit und Bio sind in der Alpenrepublik kein Trend, sondern gelebte Selbstverständlichkeit. Gastfreundlich erweisen sie sich nicht nur den Touristen gegebenüber, auch uns. In vielen Botschaften ist in Berlin der Zutritt nicht möglich. Österreich bildet da eine Ausnahme. Regelmäßig finden Konzerte, Vorträge und Ausstellungen statt, zu denen jeder Bürger mit vorheriger Anmeldung per Mail willkommen ist.

Und dass unsere Nachbarn modern, tolerant und weltoffen sind, wissen wir spätestens seit dem ESC Sieg des neuen Nationalheiligtums Conchita Wurst. Aber einen Mix aus Tradition und Moderne haben sie sich dennoch bewahrt. Denn die Verehrung für Sissi bleibt – egal, ob sie nun Elisabeth oder Conchita heißt. Das ist die neue, alte Botschaft aus dem Alpenland.

Die Auslandsrepräsentanz liegt südlich des Tiergartens an der Ecke Stauffenberg/ Tiergartenstraße an der östlichen Seite des Diplomatenviertels.

Fotos: Karin Kölker

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