Froschgrün ist nur eine der bis zu 500 verschiedenen Grünbezeichnungen unserer deutschen Sprache. Aber so viele unterschiedliche Grünnuancen wie die kleine Kröte in der Natur aufweist, so hoch ist auch die Anzahl unserer unterschiedlichen Vorstellungs-inhalte, die wir mit der Farbe in Verbindung bringen. 

Unzählige Bücher, wissenschaftliche Abhandlungen und pseudowissenschaftliche Aufsätze sind über dieses Thema verfasst worden, dessen Faszination man sich nur schwer entziehen kann. Einig sind sich jedoch alle. Farben haben eine Wirkung auf uns Menschen und erzeugen Emotionen. Aber auch die Kultur und Tradition eines Landes hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Bedeutung von Farben.

Grün der Natur

In erster Linie suggeriert Grün Natur. Mit der Farbe assoziieren wir Wiesen, Wälder und Pflanzen, die den Frühling symbolisieren, der für Wachstum, Hoffnung und Erneuerung steht. Wenn etwas ergrünt, ergibt sich Hoffnung auf ein neues Leben. Deshalb steht die Farbe Grün für das Neue, Frische, Unverbrauchte und gilt allgemein als Symbolfarbe des Lebens, des Natürlichen und Naturbelassenen.

Aber nicht alles in der Natur ist mit der Farbe Grün positiv besetzt. Tiere schützen sich durch ihre giftgrüne Färbung vor natürlichen Feinden, indem sie ihren Angreifern Gefahr suggerieren oder sich ihrer Umwelt anpassen. Und mit der grünlichen Färbung unreifer Früchte verbinden wir das Ungenießbare und Unreife. Daher stammt auch die Redensart noch grün hinter den Ohren sein ebenso wie der Begriff Grünschnabel.

Im Giftgrün erfährt die Farbe ihre negativste Bedeutung. Vermutet wird, dass diese Definition aus dem Malerhandwerk des Mittelalters stammt, denn die Farbe Grün wurde aus Kupfer-Grünspan hergestellt, der in Arsen hochgiftig gelöst war. Früher enthielten fast alle Lacke, Öl-, Wasser- und Textilfarben diese Bestandteile. Heute dient Giftgrün als optisches Signal für alles, was giftig ist.

Wenn von einer ungesunden Körperfarbe die Rede ist, spricht man von ganz grün im Gesicht sein. Die Gesichtsfarbe grün steht wegen des fehlenden Blutrots für Krankheit und wird deshalb in unserer Kultur im übertragenden Sinne als giftig bezeichnet. Wer „Grün vor Neid“ wird, löst eine körperliche Reaktion aus, die die Gesichtsfarbe verändert.

Psychologische Wirkung von Grün

Trotz dieser negativen Assoziationen spricht man dem zarten Grün eine gewisse Heilwirkung zu. Untersuchungen haben gezeigt, dass Zartgrün gestrichene Wände in Krankenhäusern nicht nur eine beruhigende Wirkung besitzen, sondern auch dazu führen, dass Patienten schneller gesund werden. Ein helles Grün wirkt besänftigend, ausgleichend, erfrischend und belebend und versorgt uns mit neuen Kräften.

Ein dunkles und gedämpftes Grün hilft Körper und Seele ins Gleichgewicht zu bringen, schenkt Sympathie und Harmonie und verbessert das Urteilsvermögen. Grün ist weder eine warme noch eine kalte Farbe und wird dem melancholischen Temperament und dem Element Erde zugesprochen. Grün wirkt natürlich, lebendig und jung und wird den passiven Farben zugeordnet.

Die Bedeutung der Farbe Grün in Religionen und Kulturen

In Anlehnung an den Frühlingsbeginn repräsentiert die Farbe Grün im Christentum die Auferstehung und gilt als Osterfarbe. Die Karwoche beginnt mit dem Grünen Sonntag, die Fastenzeit endet am Gründonnerstag. In der Liturgie unterstreichen Farben Charakter und Stimmung kirchlicher Riten. Mit Liturgischen Farben sind die Farben von liturgischen Gewändern gemeint, die auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil einheitlich für die römisch-katholische Kirche festgelegt wurden.

Grüne Gewänder werden an den Sonntagen getragen, an denen keine Gedenkgottes-dienste gehalten werden. Ausserdem ist Grün eine der Farben des Heiligen Geistes und somit in der Dreieinigkeit enthalten. Der grüne Hut der Bischöfe – bis zum Jahr 1867 war die typische Bischofsfarbe grün – erinnert an die Wanderschaft der Apostel, die mit dem Grün das Christentum verbreiten sollten.

Grün ist auch die „Farbe des Propheten“ und wird häufig im religiösem Kontext mit dem Islam verwendet. Es symbolisiert das Paradies und steht in der Wüste für überlebens-wichtige, lebenspendende Oasen. Zudem wird Grün gerne für Schmuckelemente in Moscheen bevorzugt und ist auf vielen Nationalfahnen von Wüsten- und Islamstaaten wie der Flagge Saudi-Arabiens oder Mauretaniens abgebildet.

Zur Zeit der Minnesänger galt Grün als Farbe der Liebe und in Alt-Palästina trugen Bräute grüne Hochzeitskleider, um damit Fruchtbarkeit und Hoffnung auf ein glückliches Leben zu symbolisieren. Im Mittelalter war die Farbe durch die Darstellung von Schlangen, Drachen und Dämonen in vielen Märchen und Sagen eher negativ besetzt, während dagegen im alten China der grüne Drache für Weisheit und Stärke stand.

Grün gleich Go

In der Welt der Technik signalisiert die Farbe Grün den laufenden Betrieb, rot bedeutet Stillstand. Grün bezeichnet als Signalfarbe das Positive oder Ordnungsgemäße, Rot hingegen Alarm. Grün wird benutzt, um Vorgänge zu kennzeichnen, die funktionieren oder erlaubt sind. Grüne (Verkehrs-) Schilder signalisieren freie Fahrt, rot heißt Anhalten. Auch bei Bedientasten an Geräten hat sich diese Farbgebung durchgesetzt.

 

Foto: Karin Kölker

 

 

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