Parlament der BäumeAuf den ersten Blick ist das „Parlament der Bäume gegen Krieg und Gewalt“ am Spree-ufer zwischen Bundestag und Haus der Bundespressekonferenz beinahe zu übersehen. Versteckt hinter Bäumen und von Grün überwuchert, erinnert der Gedenkort für die Maueropfer eher an einen verwilderten Garten als an ein Mahnmal. Zu verdanken haben wir ihn Aktionskünstler und Umweltaktivist Ben Wagin.Parlament-der-BäumeDer hatte in der Nacht vom 18. März 1990 auf dem ehemaligen Todesstreifen Bäume als Zeichen des Friedens gepflanzt. Wo zuvor auf Flüchtlinge geschossen worden war, schuf er im Laufe des Jahres auf einer 400 qm² großen Fläche eine Gedenkstätte. Auf Mauer-segmenten verzeichnete er das Jahr und die Anzahl der Mauertoten, die er mit mit Bildern und Gedichten dokumentierte und errichtete das grüne Denkmal „Europa Erde Werde“, das später dem Neubau des Bundespressehauses weichen musste.Parlament der BäumeHinzu kamen 16 von gesamtdeutschen Ministerpräsidenten gepflanzte Bäume, die die Bundesländer symbolisieren sollten und ein weites Ensemble von 400 Bäumen, die anlässlich der ersten Plenarsitzung des wiedervereinigten Bundestages im Reichstags-gebäude im Herbst 1990 gepflanzt wurden. Wegen des Umzugs der Bundesregierung von Bonn nach Berlin musste das „Parlament der Bäume“ für den Bau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses (Bundestagsgebäudes) jedoch verkleinert werden.Parlament-der-Bäume
In Abstimmung mit dem Künstler wurden deshalb Teile seines Mauermahnmals in die neue Bundestagsbibliothek integriert. Im September 2005 wurde der Erinnerungsort als „Mauermahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus“ von der damaligen Berliner Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse der Öffentlichkeit übergeben. Im Untergeschoss zeigen die von Wagin gesicherten Mauerreste mit den Namen der Opfer jetzt den ehemaligen Verlauf der Mauer an.

Von den ursprünglich 400 Bäumen stehen heute noch 100. Gedenksteine, Bilder, Plakate, Teile der Grenzsicherungsanlagen und 58 Mauerteile von unterschiedlichen Künstlern gestaltetet befinden sich noch an originaler Stelle. 258 eingravierte Namen auf Granitplatten erinnern an die Maueropfer. Ben Wagins geschaffenes Gesamtkunstwerk ist nicht nur ein bloßer Ort der Besinnung und Mahnmal – es ist zugleich ein Appell für den Frieden und einen bewussteren Umgang mit der Natur.

Parlament-der-Bäume

Zitat von Klaus Töpfer

Parlament der Bäume
Eingang an der Adele-Schreiber-Krieger-Straße
10117 Berlin-Mitte
Freitag bis Sonntag 11–17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Fotos: Karin Kölker

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